23.1.16

REIZ

»...Was wissen wir schon über das, was wir in etwas gelegt haben? Die Leute mögen wohl mehr in den Ulysses hineinlesen, als ich je mit ihm beabsichtigte, aber wer könne sagen, daß sie Unrecht haben? Weiß denn einer von uns, was er schafft? Wußte Shakespeare, was er schuf, als er den Hamlet schrieb; oder wußte es Leonardo, als er das <Letzte Abendmahl> malte? 
Letztlich liegt das ursprüngliche Genie eines Menschen in seinem Gekritzel beschlossen; in seinen beiläufigen Handlungen liegt seine grundlegende Begabung. Später mag er jene Begabung entwickeln, bis er einen Hamlet oder ein <Letztes Abendmahl> schafft, aber wenn die geringfügigen Kritzeleien, aus denen das große Werk entsteht, nicht bedeutsam sind, taugt das große Werk nichts, wie grandios auch immer es entworfen wurde. 

Wer von uns vermag seine Kritzeleien zu kontrollieren? Sie sind die Urschrift unserer Persönlichkeit, wie unsere Stimme oder unser Gang. Und was jene Schönheit betrifft, von der Sie gesprochen haben, eine Vorstellung, daß Sie offenbar verfolgt, 
so kann man vom Standpunkt unserer neuen Ästhetik sagen:

"Nur das Häßliche ist schön"«

James Joyce (Arthur Power Gespräche mit James Joyce) 









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